Robert Schlesier – ein bewegtes Leben

Robert Schlesier, der Pionier der Calauer Schuhfabrikation, wurde am 28. Juni 1857 in Calau als Sohn des Gerbermeisters August Schlesier geboren. Hier besuchte er die Bürgerschule und trat nach Abschluss der Schulzeit bei dem Schuhmachermeister Hoffmann in der Töpferstraße 25 die Lehre an.
Da ihm dieses Handwerk mehr und mehr gefiel, war es fast vorherbestimmt, dass er nach Ende der Lehrzeit zum Gesellen ausgerufen wurde. Da es zu dieser Zeit üblich war, auf Wanderschaft zu gehen, begab sich auch Robert Schlesier für längere Zeit nach Halle, Kassel, Regensburg, Freiburg und Nürnberg, um so sein gelerntes Wissen zu erweitern. Nach fünfjähriger Wanderschaft kam er nach Calau zurück und machte sich in einem kleinen Raum in der Töpferstraße 30 selbstständig.
Als diese Werkstatt zu klein wurde, kaufte er ein Haus Am Markt 7 und führte hier sein Geschäft weiter, das sich gut entwickelte.
Im Jahre 1885 heiratete er – 28-jährig – Martha, die Tochter des Riemermeisters Grogorick.
Nachdem er am 6. Februar 1888 vor der Innung in Calau seine Meisterprüfung bestanden hatte, konnte er fünf Gesellen beschäftigen und Schaftstiefel in großen Mengen produzieren. Diese Stiefel waren so gefragt, dass Schlesier mit der Produktion auch Heimarbeiter beauftragte. Seine Frau erledigte die Arbeit der Verpackung und des Bahnversandes. Sein Schwager führte den Transport zum Bahnhof Calau in einem Handwagen aus. Der größte Teil der Stiefel ging ins Rheinland und nach Westfalen, wo sie als „Calauer Schaftstiefel“ berühmt und gefragt waren.
Bald wurde auch das Haus Am Markt zu klein und Schlesier musste abermals umziehen, in ein Haus am Cottbuser Tor. Hier baute er auch die Fabrik an, wo er gegen 1890 den ersten Fabriksaal einrichtete. Heute befindet sich an dieser Stelle das Gebäude der Sparkasse Niederlausitz.
Nach wie vor stellten seine Gesellen und die Heimarbeiter Schaftstiefel her, konnten aber bald der enormen Nachfrage nicht mehr gerecht werden. Also entschloss sich Schlesier, Maschinen anzuschaffen, die zunächst noch mit der Hand betrieben wurden. Um weitere Arbeitserleichterungen zu schaffen, ging er daran, eine eigene Dampfanlage zu bauen. Diese setzte mittels eines Riemenantriebs die inzwischen immer zahlreicher gewordenen Maschinen in Bewegung. Die Anschaffung weiterer Maschinen zwang Schlesier immer wieder, den Fabrikbau zu erweitern, der nach und nach eine stattliche Größe erreichte und bis zu 200 Mann beschäftigte, die wöchentlich bis zu 4000 Paar Stiefel herstellten.
Zu dieser Zeit gründete er eigene Filialen in Halle, Bitterfeld, Torgau, Wittenberg, Eisleben, Fürstenberg, Senftenberg, Lübbenau, Lübben, Altdöbern, Finsterwalde und anderen Städten. Die Produktion ging nun über die Stiefel hinaus bis zu anderem Straßenschuhwerk und wurde unter dem Namen „Calauer Stiefel“ verbreitet. Schlesier selbst war eine bekannte Persönlichkeit, die als der „Monopol aus Calau“ nicht nur von den Schuhmachern und Lederhändlern geschätzt wurde.
1896 kam Robert Schlesier die Idee, die bestehende Dampfanlage zur Erzeugung von elektrischem Licht zu nutzen. Nach langer Überzeugungsarbeit und vielen Verhandlungen mit der Calauer Stadtverwaltung erstrahlten am 27. Januar 1897 zum ersten Mal elektrische Lampen. Um diese Zeit war Calau eine der ersten Städte, die elektrisches Licht besaßen.
Im Jahre 1909 konnte Robert Schlesier sein 30–jähriges Geschäftsjubiläum feiern. Sein Betrieb stand in voller Blüte, die wöchentlich am Sonnabend ausgezahlten Löhne bereicherten das Calauer Geschäftsleben und sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung. Schlesier stiftete mehrere Tausend Mark für einen Krankenhausfond und für die Versorgung seiner Arbeiter.
Am 9. August 1911 verstarb er unerwartet, erst 54-jährig, an einem Herzinfarkt in einem Leipziger Sanatorium.